Zähler ablesen, Anbieter ummelden, Termine koordinieren: die stille Baustelle bei jedem Umzug

Beim Umzug wird meistens über zwei Dinge gesprochen. Über die Kartons und über die Möbel. Was zwischen beiden liegt, wird oft ignoriert, bis es zum Problem wird. Strom, Gas, Wasser, Heizkosten, Internet, Rundfunkbeitrag. Jeder dieser Verträge muss zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Adresse aktiv sein, ohne dass es Lücken oder Doppelungen gibt. Wer das versemmelt, zahlt entweder für Verbrauch, den er nicht hatte, oder steht im Winter in einer kalten Wohnung, weil die Gasrechnung noch beim Vormieter läuft.
Das Grundproblem ist die Trennung von Umzugstag und Vertragsbeginn. Der Umzugstag steht in der Regel fest, weil er sich am Mietvertrag orientiert. Die Verträge mit Energieversorgern folgen ihrer eigenen Logik. Anmeldung mit Vorlauf, Bestätigung, Startdatum, oft mit einer Toleranz von wenigen Tagen. Wer den Umzug am 30. hat und den Vertrag zum 1. anmeldet, hat zwei Tage, in denen weder Strom noch Gas jemand konkret gehört. In der Praxis läuft es, weil die Netzbetreiber die Grundversorgung sichern. Aber wenn später abgerechnet wird, kommen die Kosten für diese zwei Tage bei jemandem an, meistens bei Ihnen, oft zum Grundversorger-Tarif, der deutlich über dem eigenen Vertrag liegt.
Wer beim Umzug in Berlin auf Nummer sicher gehen will, koordiniert deshalb Vertrag und Umzug frühzeitig und plant den Übergabetermin mit einer erfahrenen Umzugsfirma in Berlin so, dass Zählerstände am Umzugstag notiert werden. Das ist der einzige Zeitpunkt, zu dem beide Parteien, alter Vermieter und neuer Mieter, einen unstrittigen Stand haben, den auch der Energieversorger akzeptiert.
Beim Zählerablesen selbst gibt es Details, die Laien übersehen. Bei Stromzählern gibt es je nach Tarifform mehrere Zählwerke. Einen für Normalstrom, einen für Nachtstrom bei alten Wärmepumpen, einen weiteren bei Solaranlagen mit Einspeisung. Wer nur den ersten Wert notiert, hat später Diskussionen. Beim Gaszähler ist der aufgedruckte Wert in Kubikmetern, die Abrechnung erfolgt aber in Kilowattstunden. Der Umrechnungsfaktor steht auf der Rechnung, ist aber ortsabhängig. Beim Wasserzähler unterscheidet der Versorger meistens zwischen Kaltwasser und Warmwasser, wobei das Warmwasser oft nicht direkt gemessen wird, sondern über die Heizkostenabrechnung läuft.
Für die Heizung gibt es Sonderfälle, die oft übersehen werden. In Berlin ist die Fernwärme in vielen Bezirken der Standard, dann läuft die Abrechnung über den Vermieter und die Betriebskostenabrechnung. Bei Häusern mit Zentralheizung wird die Heizkostenverteilung mit Heizkostenverteilern gemessen, kleinen Geräten an jedem Heizkörper. Diese müssen beim Auszug abgelesen werden, entweder vom Vermieter, vom Abrechnungsdienstleister oder mittlerweile oft automatisch per Funk. Wer sich darauf verlässt, dass das schon irgendwie passiert, kann sich später über eine Rechnung wundern, die nicht mit dem eigenen Verbrauch übereinstimmt.
Zu den Sonderfällen gehören Nachtspeicherheizungen, die es in einigen älteren Berliner Wohnungen noch gibt, Wärmepumpen in Neubauten und Photovoltaik-Anlagen mit Einspeisevergütung. Jeder dieser Fälle bedeutet einen eigenen Zähler, eine eigene Abrechnungsstelle und eine eigene Ummelde-Logik. Wer in eine Wohnung mit ungewöhnlicher Energieausstattung einzieht, sollte sich beim Vermieter oder Hausverwalter aktiv erkundigen, welche Zähler es gibt und wer sie liest.
Beim Anbieterwechsel gibt es einen Punkt, an dem sich viele verkalkulieren. Der Wechsel selbst dauert vier bis sechs Wochen. Wer am Umzugstag den neuen Anbieter anschreibt, ist frühestens Mitte des Folgemonats umgestellt. Bis dahin läuft die Grundversorgung, meistens automatisch, meistens zu einem Preis, der weit über dem liegt, was Sie am Ende bezahlen wollen. Sinnvoll ist, mindestens sechs Wochen vor dem Umzug den neuen Anbieter zu wählen und den Wechsel zum Umzugsdatum zu beauftragen. Der Anbieter kümmert sich dann um Abmeldung und Anmeldung, Sie müssen nur die Zählerstände am Umzugstag notieren.
Internet und Telefon sind ein eigenes Kapitel. Die Umschaltung an eine neue Adresse dauert bei den meisten Anbietern zwei bis vier Wochen, in Berlin bei bestimmten Netzabschnitten deutlich länger, wenn die Leitung erst aktiviert werden muss. Wer beruflich auf Homeoffice angewiesen ist, sollte die Beauftragung nicht auf die letzten Tage schieben. Ein Termin für die Techniker-Anschaltung wird meistens zwei bis vier Wochen im Voraus vergeben, mit Zeitfenstern von vier Stunden. Wer in dieser Zeit nicht zu Hause ist, verschiebt sich um weitere zwei Wochen.
Der Rundfunkbeitrag ist die kleinste Position auf dieser Liste, aber die mit den absurdesten Nachfragen. Bei einem Umzug muss die Adresse gemeldet werden. Wenn die neue Wohnung mit jemandem geteilt wird, der bereits zahlt, muss man sich abmelden und darauf berufen. Wenn nicht, läuft der Beitrag weiter. Ein häufiger Fehler ist, dass zwei Personen aus verschiedenen Wohnungen, die zusammenziehen, beide weiter zahlen, weil keiner sich die Mühe macht, den Wechsel anzumelden.
Ein Punkt, der besonders in Berlin oft übersehen wird. Kabelanschluss und Rundfunk sind bis Mitte 2024 über die Nebenkosten des Mietvertrags abgerechnet worden. Seitdem müssen Mieter selbst entscheiden, ob sie Kabel-TV weiter beziehen wollen. Wer das nicht aktiv abbestellt hat, zahlt in einigen Häusern weiter. Wer beim Einzug in eine neue Wohnung einfach den Fernseher anschließt und ein Bild bekommt, sollte klären, ob dafür eine Rechnung entsteht.
Ein letzter Aspekt, der bei modernen Neubauten zunimmt. Die Wohnung ist mit Smart-Home-Systemen ausgestattet, die an einen bestimmten Vertrag gebunden sind. Manche Vermieter integrieren Strom, Heizungssteuerung, Rauchmelder und Fensterkontakte in ein System, das nur mit einem bestimmten Anbieter läuft. Wer da eigenständig den Anbieter wechselt, kann die Hälfte der Wohnungstechnik verlieren. Solche Details stehen selten im Mietvertrag, sondern in einer Zusatzvereinbarung, die Sie separat lesen sollten.
In Berlin gibt es außerdem die Zweitwohnungsteuer, die zuschlägt, wenn der neue Wohnsitz eine Zweitwohnung ist, weil der Erstwohnsitz woanders bleibt. Der Satz liegt in Berlin bei 15 Prozent der Nettokaltmiete pro Jahr. Wer beruflich in Berlin arbeitet, aber am alten Wohnort wegen Familie oder Immobilie gemeldet bleibt, sollte diese Position von Anfang an einkalkulieren, weil die Nachforderung sonst rückwirkend kommt. Auch die Meldeadresse gegenüber dem Finanzamt spielt hier eine Rolle, weil sie bestimmt, welche Verkehrsanbindung, welche Werbungskosten und welche doppelte Haushaltsführung anerkannt wird.
Ein oft unterschätzter Punkt betrifft die Adressänderung bei allen Onlinediensten, mit denen Sie regelmäßig zu tun haben. Amazon, Paypal, Netflix, die Bank, das eigene E-Mail-Postfach, die Handyverträge, die Krankenkasse, alle Streaming-Anbieter, die Sportvereine, die Fitnessstudio-Mitgliedschaft, das Fahrradregister, das Deutschlandticket-Abonnement, die Vielfliegerkarten. Wer diese Adressen nicht sauber pflegt, bekommt Post an die alte Adresse, an der irgendwann jemand anderes wohnt, mit den entsprechenden Datenschutzproblemen. Sinnvoll ist, sich in den ersten zwei Wochen nach dem Umzug einen Nachmittag für diese Adressänderungen zu blocken und systematisch alle Konten durchzugehen.
Die Bearbeitung all dieser Verträge ist keine spannende Arbeit. Aber sie entscheidet mit, ob der Umzug im Nachgang teurer wird als geplant oder ob am Ende alles glatt läuft. Wer die Ummeldung parallel zum eigentlichen Umzug erledigt, verliert Zeit, Geduld und meistens Geld. Wer sich in den zwei Wochen vor dem Umzug einen Vormittag reserviert, um die Verträge abzuarbeiten, spart im Nachgang mehr als er glaubt.

Hier schreibt Matthias! Ich bin begeisterter Blogger und beschäftige mich tagtäglich mit neuen effizienten Energiesystemen. Zudem bin ich Befürworter der Energiewende.



