Strom

Elektroplanung im Neubau: Was vor dem Estrich entschieden sein muss

Beim Hausbau gibt es Entscheidungen, die sich später mit Geld korrigieren lassen, und solche, die sich später kaum noch korrigieren lassen. Die Fliesen gehören zur ersten Gruppe. Die Elektroinstallation gehört zur zweiten. Sobald der Estrich liegt und die Wände verputzt sind, ist jede fehlende Leitung ein Schlitz in der Wand, jede vergessene Steckdose ein Verlängerungskabel für die nächsten dreißig Jahre. Trotzdem wird die Elektroplanung in vielen Bauprojekten erst dann ernsthaft besprochen, wenn der Rohbau steht und der Elektriker mit dem Bleistift durch die Räume geht.

Das ist zu spät, aber nicht aus dem Grund, den die meisten vermuten. Die Frage, wo im Wohnzimmer die Steckdosen sitzen, lässt sich tatsächlich noch im Rohbau klären. Was sich dann nicht mehr klären lässt, sind die großen Linien: Wo ist der Technikraum, wie kommt das Kabel vom Zählerschrank ins Dachgeschoss, gibt es einen Weg für die Leitung zur Wallbox in der Garage, ist die Hauptverteilung groß genug für eine Wärmepumpe, die vielleicht erst in fünf Jahren kommt. Diese Punkte gehören in die Entwurfsplanung, neben Grundriss und Statik.

Elektrofachbetriebe, die Neubauten von der Planung bis zur Abnahme begleiten, haben dafür feste Abläufe. Der Innungsbetrieb hinter hermann-elektrotechnik.com in Steinheim etwa plant Elektroinstallationen für Wohn- und Gewerbebauten in Ostwestfalen und stimmt Verteilungen und Zählerplätze mit dem Netzbetreiber ab, bevor der Rohbau beginnt. Aus der Praxis solcher Betriebe lässt sich eine Liste ableiten, was ein Bauherr vor dem Estrich festgelegt haben sollte.

Der Technikraum und der Zählerschrank

Der Zählerschrank ist das Herz der Installation, und er ist größer, als sich die meisten Bauherren vorstellen. Ein moderner Zählerplatz nach der Anwendungsregel VDE-AR-N 4100 braucht Platz für den Stromzähler, künftig ein intelligentes Messsystem, den Hauptschalter, den Überspannungsschutz, die Sicherungen für das Haus und Reservefelder für Photovoltaik, Wallbox und Wärmepumpe. Ein Schrank mit drei oder vier Feldern nebeneinander ist im Einfamilienhaus heute die Regel. Dafür braucht es eine freie Wand im Hausanschlussraum, in der Nähe des Hausanschlusskastens, ohne Wasserleitung dahinter und mit Platz davor, damit man daran arbeiten kann.

Wer diesen Raum im Grundriss auf einen halben Quadratmeter neben der Waschmaschine zusammenschiebt, bekommt später Probleme. Der Netzbetreiber gibt in seinen Technischen Anschlussbedingungen vor, wie der Zählerplatz auszusehen hat, und er nimmt die Anlage vor der Inbetriebnahme ab. Ein Zählerschrank, der nicht den Vorgaben entspricht, bedeutet keinen Strom zum Einzug.

Stromkreise und Ausstattung

Wie viele Steckdosen ein Raum braucht, ist Geschmackssache mit Untergrenze. Die Richtlinie RAL-RG 678 beschreibt drei Ausstattungsstufen, von der Mindestausstattung bis zur Komfortausstattung, und die meisten Bauherren, die einmal in einem Haus mit Mindestausstattung gewohnt haben, wählen beim nächsten Mal höher. Für die Küche gilt: eigene Stromkreise für Backofen, Kochfeld, Geschirrspüler, Kühlschrank und Mikrowelle, dazu Steckdosen über der Arbeitsfläche, mehr als man für nötig hält. Im Arbeitszimmer gehören Netzwerkdosen neben die Steckdosen. Im Bad regelt die Norm, welche Bereiche um Dusche und Wanne frei bleiben müssen.

Zwei Dinge sind im Neubau nicht optional. Fehlerstromschutzschalter für alle Steckdosenstromkreise sind seit Jahren Pflicht, und seit der Überarbeitung der DIN VDE 0100-443 und 0100-534 gehört auch ein Überspannungsschutz in jede neue Anlage. Er schützt Wechselrichter, Wärmepumpenregler und Fernseher vor Spannungsspitzen, die bei Gewittern oder Schalthandlungen im Netz entstehen. Wer heute noch ein Angebot ohne Überspannungsschutz bekommt, sollte nachfragen.

Leerrohre: die günstigste Versicherung des Hauses

Ein Leerrohr kostet im Rohbau wenige Euro pro Meter und nichts, wenn es nie gebraucht wird. Nachträglich eine Leitung durch ein fertiges Haus zu ziehen, kostet einen Handwerkertag und einen Maler. Deshalb lautet die Empfehlung erfahrener Planer, großzügig zu sein: ein Leerrohr vom Technikraum zum Dach für die spätere Photovoltaik, eines in die Garage oder zum Stellplatz für die Wallbox, eines zum Aufstellort einer Wärmepumpe, eines in jeden Raum für Netzwerk und Fernsehen, und mindestens eines zu jedem Fenster, falls später elektrische Rollläden oder Sensoren nachgerüstet werden.

Diese Vorbereitung hat einen zweiten Hintergrund. Seit Anfang 2024 gilt nach Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes, dass Wallboxen und Wärmepumpen ab 4,2 Kilowatt vom Netzbetreiber in Engpasssituationen zeitweise gedrosselt werden dürfen. Dafür braucht es eine Steuerleitung oder ein Steuergerät am Zählerplatz. Wer den Weg dafür heute vorsieht, hat es beim Einbau leicht. Im Gegenzug bekommt der Haushalt reduzierte Netzentgelte.

Smart Home: entscheiden, nicht aufschieben

Ob ein Haus ein Smart Home wird, entscheidet sich nicht beim Kauf der ersten smarten Glühbirne, sondern bei der Verkabelung. Wer eine Bus-Installation wie KNX will, bei der jeder Taster und jede Leuchte über eine gemeinsame Steuerleitung verbunden sind, muss das vor dem Verputzen wissen. Die Leitungsführung ist eine andere als bei einer konventionellen Installation, und die Verteilung braucht mehr Platz. Wer sich unsicher ist, kann einen Mittelweg wählen: konventionelle Installation, aber mit Leerrohren und einer tiefen Dose an jedem Schalter, sodass später Funk- oder Busmodule nachgerüstet werden können. Was nicht funktioniert, ist die Entscheidung auf später zu verschieben und dann alles zu wollen.

Außenbereich und Beleuchtung

Was draußen fehlt, fällt erst im ersten Sommer auf. Eine Steckdose an der Terrasse, eine am Stellplatz, eine an der Gartenseite des Hauses, dazu ein Leerrohr zum Gartenhaus oder zum Ende des Grundstücks, falls dort irgendwann ein Pool, ein Rasenmähroboter oder eine Beleuchtung am Weg hinzukommen. Die Leitung dafür muss vor dem Verfüllen der Baugrube und vor dem Pflastern liegen. Danach wird aus 50 Euro Kabel ein Tag mit dem Spaten.

Bei der Beleuchtung innen lohnt ein Blick auf die Deckenauslässe. Wer später eine Leuchte über dem Esstisch will, braucht den Auslass dort, wo der Tisch steht, nicht in der Raummitte. Und wer dimmen will, sollte das jetzt sagen, weil ein Dimmer andere Verkabelung und passende Leuchtmittel braucht.

Was es kostet und wann es geplant wird

Für die Elektroinstallation im Einfamilienhaus rechnet man erfahrungsgemäß mit drei bis fünf Prozent der Bausumme, bei gehobener Ausstattung oder Bus-System auch mehr. Das ist viel Geld und zugleich ein Bereich, in dem gern an der falschen Stelle gespart wird. Eine Steckdose weniger spart 40 Euro. Ein Zählerschrank ohne Reservefelder spart 300 Euro und kostet bei der Wallbox in drei Jahren 2.000.

Der Zeitpunkt für die Elektroplanung ist die Entwurfsphase, sobald der Grundriss steht. Der Elektroplaner oder Fachbetrieb bekommt die Pläne, geht mit dem Bauherrn Raum für Raum durch, legt den Technikraum fest, ermittelt die Anschlussleistung und stellt die Anfrage beim Netzbetreiber. Im Rohbau folgt dann die Feinabstimmung, wo genau welche Dose sitzt. Und vor dem Estrich läuft der Bauherr ein letztes Mal mit dem Plan durch das Haus und prüft, ob alles da ist. Danach ist die Entscheidung gefallen.